2

Mit der Ringvorlesung „Universitäre Bildung – Von Humboldt bis Bologna“ hat das Präsidium der Uni Osnabrück eine Plattform geschaffen, um seine Sicht auf das Chaos der Bologna-Reformen darzustellen. Diese Veranstaltung wurde explizit ins Leben gerufen, um nach den Protesten im 'Heißen Herbst' „den Dialog mit den Studierenden fortzusetzen.“ Allerdings schließen die bisher vorgestellten Themen der Ringvorlesung weder an die Argumentation der Studierenden an, noch boten die Vorträge von Hrn. Künzel und Hrn. Czada Gelegenheit zur Diskussion. Die waren offensichtlich auch nicht gewollt, sonst hätte das Präsidium einen Raum auswählen können, der nicht sofort für andere Vorlesungen benötigt wird.
Da wir mit der Präsidiumsfarce nicht einverstanden sind, wollen wir unsere Kritik und alternative Konzepte zu den vorherrschenden Institutionen im Ausbildungs-, Schul-, und Unisystem präsentieren. Deshalb startet am 26.04.2010 die „Themenreihe Bildung und Demokratie - Trotz Humboldt und Bologna“, um Fragen aufzugreifen, die bei den letztjährigen Protesten aufgeworfen wurden. Es wird Vorträge und Inputs zu vielen Themen geben und im anschließend stattfindenden philosophischen Café wird genügend Raum für ausführliche Diskurse, eigene Ideen und Gedanken sein.
Gerade in Zeiten, in denen Bildung aus ökonomischen Gründen abgeschaft wird, gilt es auf ihre Wichtigkeit für die Entwicklung des Menschen zu beharren. Wir wollen aufzeigen, dass dieses hierarchische und konditionierende Bildungssystem demokratische Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen aushöhlt. Wir wollen diese Bedingungen nicht mehr hinnehmen, die uns ausschließlich auf ein Berufsleben abrichten sollen, das - im selben Geist wie die Bolagna-Reformen - fortdauernd sozialen Ausschuss, Selektion und Depression produziert. Es wird höchste Zeit eigene Vorstellungen zu entwickeln, was Bildung sein und wozu sie dienen soll. So können wir dem Angriff namens Bolognaprozess etwas Positives entgegensetzen.
Machtverhältnisse und Perspektiven kritischer Bildung Die gesellschaftlichen Machtverhältnisse haben sich in den letzten Jahrzehnten beträchtlich gewandelt. Gilles Deleuze ist es zu verdanken, auf den schon bei Michel Foucault anklingenden Übergang von den Disziplinar- zu den Kontrollgesellschaften aufmerksam gemacht zu haben. Hierbei ist zu beachten, dass von den Disziplinargesellschaften etwas bestehen bleibt, sich alte und neue Machtstrukturen also ergänzen.
In der gegenwärtigen kritischen Soziologie drückt sich der Übergang in der Erforschung des Drucks zur ständigen Weiterbildung und Entwicklung aus. Jedoch ist das Ziel ein „unternehmerisches Selbst“ (Bröckling) zu werden nie vollständig zu erreichen. Gleichzeitig wird durch den Druck die Eigenverantwortung für die eigene Situation betont. Diese Erkenntnisse lassen sich mit der psychoanalytisch begründeten Erforschung der libidinösen Bindungen in Beziehung setzen. So ist der arbeitende bzw. der sich (weiter)bildende Mensch nicht als unbeteiligte Spielfigur gesellschaftlicher Machtverhältnisse zu denken, sondern er steht in einer emotionalen Beziehung zu den ihn einengenden Verhältnissen.
Im Vortrag sollen die Perspektiven der Erforschung der Kontrollgesellschaft mit der Psychoanalyse verbunden werden und Bezüge zur aktuellen Bildungssituation hergestellt werden. Ziel ist es, auf die Verbindung der sozialen und ökonomischen Verhältnisse mit den Bildungsbedingungen und Zielen hinzuweisen, und diese nicht losgelöst zu betrachten. Somit soll ein Beitrag zu einer Diskussion um die Perspektiven kritischer Bildung geliefert werden.
Wie wird sich die Reform des niedersächsischen Hochschulgesetzes auf unseren Studienalltag auswirken Neuerungen am niedersächsischen Hochschulgesetz sollen nach Plänen des Regierungskabinetts noch vor der Sommerpause des Landtages verabschiedet werden. Dieses Gesetz beschneidet zum wiederholten Male die Mitbestimmung der studentischen Hochschulangehörigen und der Mitarbeiter in Technik und Verwaltung erheblich. Zudem sollen aus Studiengebühren aller Studierenden Stipendien für wenige Studierende finanziert werden. Wir wollen alle Hochschulangehörigen und andere Interessierte über diese und weitere wesentliche Aspekte der Gesetzesnovelle informieren und gemeinsam überlegen, was wir dagegen unternehmen können.
Veranstaltet von: Studierenden der FH und Uni Osnabrück, Initiative zur Förderung von Demokratisierung, Emanzipation und freier Bildung (DEBil); Hochschulpolitisches Referat des AStA der Uni Osnabrück
Die 2008 ausgebrochene internationale Finanzmarktkrise mit ihren Folgewirkungen wird oft mit der Weltwirtschaftskrise verglichen, die 1929 an der New Yorker Börse ihren Anfang nahm. Damals hatte die bis dahin vorherrschende neoklassische, liberale Wirtschaftstheorie sich in den Augen vieler Experten und Betroffener gründlich blamiert und wurde ein Paradigmenwechsel eingeleitet. Wie verhält es sich heute damit? Ist das Ende des Neoliberalismus eingeläutet? Welche Folgerungen auch für die Bildungspolitik werden aus der Finanzmarktkrise gezogen bzw. gerade nicht gezogen? Der Vortrag geht auf die Zusammenhänge ein, in denen die Finanzmarktkrise gründet und ohne die auch die heutigen Bildungsverhältnisse nicht angemessen verstanden werden können. Er umreißt auch die wichtigsten Aufgaben und Ansatzpunkte für die Arbeit der Bildungsgewerkschaft GEW.
Der Referent Richard Lauenstein arbeitet hauptamtlich für die GEW Niedersachsen als bildungspolitischer Gewerkschaftssekretär und Pressesprecher und ist zugleich gewähltes Mitglied ihres geschäftsführenden Vorstands.
Bildung ist eine knappe Ressource, um deren Verteilung hart gekämpft wird. Kinder aus sozial schwachen Schichten werden seit Jahrzehnten benachteiligt. Eine Verbesserung ist nicht in Sicht, denn sobald es um schichtübergreifende Chancengleichheit geht, wird dieses Ansinnen als Gleichmacherei diffamiert.
Volltext in: Aus Politik und Zeitgeschichte 49/2008, Beilage zur Wochenzeitung DAS PARLAMENT 49/2008, Thema: Bildung und Chancen Bruno Preisendörfer ist freier Autor und hat u.a. das Buch "Das Bildungsprivileg - Warum Chancengleichheit unerwünscht ist" veröffentlicht.
Themen der Veranstaltungen sind die kritische Reflexion unserer Studiensituation, unserer Universität und ihres Kontexts in unserer Gesellschaft. Wir wollen damit Alternativen zum gängigen Diskurs aufzeigen, eine Gegenöffentlichkeit zur präsidial gestalteten Ringvorlesung schaffen und die Meinungsbildung der Studierendenschaft mit einem Gegenangebot/alternativem Angebot zur Ringvorlesung unterstützen.